Auf nach Norwegen!
 



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Neuer Chef, neues Glück

Montag, 21. Juli 2008

Martin hat mal wieder in Norwegen nachgehakt. (Ich kenne diesen Norwegischen Großchef ja nicht und möchte mir daher eigentlich gar kein Urteil erlauben. Aber ehrlich gesagt bin ich froh, dass dieser Mensch nicht mein Chef sein wird. Denn langsam fallen mir als Bezeichnungen für sein Verhalten nur noch die Worte Hinhaltetaktik oder Unzuverlässigkeit ein. Das Wort mit I lasse ich mal bewusst außen vor.)

Ergebnis: Der Norwegische Großchef hat neulich mal darüber nachgedacht, sich möglicherweise mit dem Martin-Problem zu befassen, konnte dann allerdings die Bewerbung nirgendwo finden und ließ es daher doch lieber bleiben. So weit, den Bewerber davon zu informieren, reichte die Motivation dann schon nicht mehr. Er könne sie aber ruhig noch mal schicken.

Resigniert erzählte Martin Kjetil davon. Der ist ja nun der Meinung, den deutschen Kollegen sehr gut gebrauchen zu können (und er weiß das besser als der Großchef, da Martin ja in seiner Abteilung arbeiten würde). Kjetil hat nun so einen Kleinchef eingeschaltet. Der zeigte sich auch gleich viel interessierter, hakte aber detailliert nach Martins Motivationslage. Er suche schon jemanden mit Spaß an der Arbeit, niemanden, der entsprechend des Rufs der Deutschen nur zum Geldscheffeln auf die Ölplattform wolle und hinter den Ausgleichszeiten her sei. Nun, das ist wirklich nicht unser Problem.

30.7.08 12:16


Großmütterliche Befindlichkeitsperspektiven

Sonntag, 20. Juli 2008

 

Und wieder eine Familienfeier, bei der wir unser dunkles Geheimnis für uns behalten und einen regelrechten Eiertanz um konkrete Zukunftsfragen herum vollführen, um unseren Verwandten wenigstens nicht direkt ins Gesicht zu lügen. Ich hasse das! Aber da immer noch nichts feststeht, wäre es unvernünftig, ängstliche alte Leute in Aufruhr zu versetzen. Meine Oma zum Beispiel, die wird am Boden zerstört sein, wenn sie von unseren Plänen erfährt. Zwar sieht sie ihre Urenkel derzeit auch nur etwa 7, 8 Mal im Jahr (aufgrund der brutalen Entfernung von 18 Kilometern und einem rentnervollen Terminkalender), aber die vorwurfsvollen Aussprüche á lá: „Könnt ihr es denn wohl wenigstens einrichten, dass ihr zu meiner Beerdigung kommt?“ klingeln mir jetzt schon in den Ohren. Das möchte ich mir, ehrlich gesagt, nur antun, wenn ich im Gegenzug auch wirklich Norwegen dafür bekomme.

29.7.08 09:41


Alleine fahren will ich nicht... da nehm ich mir den Zahnarzt mit...

Mittwoch, 16. Juli 2008

Zahnarzt-Termin, Routine-Kontrolle. In Norwegen bezahlt man seinen Zahnarzt selber und zwar völlig, weshalb ich mal ganz vorsichtig anfragte, welche dentalen Renovierungsarbeiten denn wohl in den nächsten drei, vier Jahren anstünden und ob man vielleicht welche vorziehen könnte. Mein Zahnarzt (auch so ein Toller) fragte, warum ich mir Gedanken mache, und ich berichtete ihm – natürlich – von unseren Plänen. „Ah, Norwegen“, sagte er. „Da haben wir auch schon drüber nachgedacht…“

28.7.08 08:58


Verlustfrust

Montag, 14. Juli 2008

Ich finde diese verfluchte Sprachkurs-CD nicht wieder. Ich erinnere mich, dass Silas die neulich in den Fingern hatte und ich sie ihm abgenommen habe, bevor er Silas-typische Dinge damit anstellt (wie beispielsweise sie in der Mitte durchzubrechen), aber wo zum Teufel habe ich sie hingelegt? Ich bin schon seit Wochen nicht mehr zu meinen Norwegisch-Übungen gekommen. Und jetzt, wo ich ab und zu ein Stündchen hätte, weil die Magisterarbeit aupairlosigkeitsbedingt eh brachliegt, kann ich diese CD nirgendwo finden. Menno!

25.7.08 10:25


Ein Eingeborener am Esstisch

Freitag, 11. Juli 2008

Gestern Abend um halb sechs rief Martin mich aus der Firma an. „Du, sag mal, reicht unser Abendessen auch für einen mehr?“ Abendessen?, dachte ich. Ja, richtig, da war noch etwas, was ich an diesem ohnehin nervenaufreibend stressvollen Tag hätte besorgen sollen. Dann ging mir schlagartig auf, um welchen Einen es sich handeln musste. „Willst du etwa Kjetil mitbringen?“ In der Tat, das war der Plan. Ich versicherte meinem lieben Gatten, dass ich ein Wunder tätigen und für ein präsentables Essen sorgen würde. „Wann wollt ihr denn kommen?“ fragte ich. „Ähm, so ganz lange wollten wir nicht mehr…“ – „Halt ihn mindestens eine Stunde lang hin!“ verlangte ich, schleuderte das Telefon in die Ecke und brach in panische Betriebsamkeit aus. Während ich hektisch immense Wäschehaufen von Bügelbrett, Wäscheständer und Sofa entfernte, Spielzeugberge in Kisten stopfte und Höhlen aus Wohnzimmerdecken und Couchtischen zerstörte, entwickelte ich einen Generalstabsplan, den ich alsbald mit meinem Stabschef – meiner Mutter – besprach. Die Kinder wurden zu meinem Vater geschafft, sie eilte mir zur Hilfe, und gemeinsam beseitigten wir das allerschlimmste Chaos, während ich Nudeln aufsetzte, den Bodensatz unserer beider Gefriertruhen auftaute zu einem vorzeigbaren Auflauf transformierte. Viel zu früh klingelte das Telefon (erneut, nachdem ich zwischendurch schon Großonkel und LBS abgewürgt hatte) und Martin teilte mir fröhlich mit, dass er und sein Kumpel Kjetil nun auf dem arg kurzen Weg seien. Also Kinder rübergeordert, total verschwitztes T-Shirt in die Ecke gepfeffert und gegen vorzeigbares getauscht, total verstörten Vierjährigen zu beruhigen versucht, und hi Kjetil, nice to meet you eventually and don’t mind the screaming child in my arms, just imagine I was making a good first impression…Oh, and please don’t open any drawers if you don’t want to be crushed by all the stuff that I so frantically shoved inside to hide from you!

Der Abend war dann aber doch erstaunlich nett. Was dem großen Bruder an Charme fehlte, machte der Kleine mehr als wett. Kjetil lobte brav meine Kochkünste. Er aß vier Portionen, was in der guten Schaumburger Tradition das einzig ehrlich gemeinte Kompliment an die Köchin bedeutet und mich daher sehr für ihn einnahm. Wir plauderten angeregt über Kindererziehung, chinesische Mentalität, Schwertransporte und natürlich Norwegen, und letzteres tat er auf eine Weise, als wäre es längst unzweifelhaft beschlossene Sache, dass wir nächstes Jahr um diese Zeit bei Kjetil auf der Veranda sitzen werden. Also ist jetzt doch wieder Optimismus angesagt. Denn auch wenn der Großchef nicht in die Pötte kommt (Kjetils Darstellung nach ist er wirklich unglaublich beschäftigt), sind sie wohl tatsächlich dankbar für jede qualifizierte Arbeitskraft. Kjetil erzählte, sie hätten in der Maschinenfertigung neulich aus lauter Verzweiflung schon einen Kfz-Mechaniker eingestellt.

Meine Norwegischkenntnisse habe ich nicht anwenden können. Doch, okay, ich hab’s versucht – und dann ganz schnell wieder gelassen… „Jeg snakker litt norsk“, teilte ich Kjetil irgendwann mit, schob aus Bescheidenheit gleicht hinterher: „Men jeg kan ikke si mure.“ Kjetil sah mich ratlos an. „Mure?“ fragte er. „Det er en mur“, sagte er und klopfte an die Hauswand. Mye, ich meinte mye, was ‚viel’ heißt. Und ich dachte eigentlich, ich hätte das auch gesagt. Aber es war schon in Ordnung, ‚Mauer’ konnte ich bis dato auch nicht sagen…

24.7.08 11:46


Stimmungstief

Montag, 7. Juli 2008

Kjetil hat sich vertan, der Norwegische Großchef kommt doch nicht persönlich. Also hat Martin heute mit ihm telefoniert. Ergebnis: Ach, das hat er ganz vergessen, er hatte ja so viel zu tun, und er hat auch immer noch so viel zu tun, und irgendwie glaube ich langsam, er will uns gar nicht haben. (Ich bin in ziemlich rabenschwarzer Stimmung momentan, was das betrifft. Aber mal ehrlich: In der Arbeitszeit, die er mit einem nachfragenden Martin am Telefon vergeudet, hätte er schon drei Mal ein vernünftiges Angebot erstellen können. Wir sprechen hier doch nicht von China, wo es unhöflich ist, eine direkte Absage zu erteilen. Wenn der uns nicht haben will, soll er uns das sagen und gut ist! Mann!)
23.7.08 11:58


Nachgehakt

Dienstag, 1. Juli 2008

Der Norwegische Großchef hat sich – natürlich – bisher nicht gemeldet. Da wir seit heute wieder in Deutschland sind (wenn auch noch zu Besuch bei einer Freundin in Frankfurt), hat Martin ihn mal angerufen. (Mit einem deutschen Handy von Italien aus nach Norwegen zu telefonieren, war uns kostentechnisch dann doch ein zu großer Schritt ins Ungewisse.) Wir haben diskutiert, ob es aufdringlich ist, nachzuhaken, oder ob es unzuverlässig rüberkommt, nicht nachzuhaken. Wir kamen schnell überein, dass es in diesem Fall durchaus legitim sei. Immerhin sagte der Großchef vor knapp sechs Wochen, er würde sich in drei Wochen melden.

Da wir nicht mit Bestimmtheit wussten, ob der Großchef nicht womöglich ein schriftliches Angebot mit der Post geschickt hatte (was herzlich unwahrscheinlich war, weil bisher noch alles über E-Mail gelaufen ist), rief Martin erstmal Kjetil an, um vorzuhorchen. Ergebnis: Der Norwegische Großchef ist Montag eh in der Firma in Deutschland, da kann Martin persönlich nachfragen. Und am Donnerstag kommt Kjetil selbst, um über ein Projekt zu sprechen, und freut sich darauf, Martin endlich persönlich kennen zu lernen. O…kay.

21.7.08 11:57


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